Christiane Scheib
Huforthopädie - Ernährungsberatung - Training
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Ernährungsberatung für Pferde

Der Stoffwechsel des Pferdes

Der Stoffwechsel des Pferdes ist ein komplexes System, das alle biochemischen Prozesse umfasst, die zur Energiegewinnung, Erhaltung der Körperfunktionen und Entgiftung notwendig sind. Pferde sind ursprünglich Steppentiere mit einem sehr effizienten und auf Dauerfutter (Gras, Kräuter, Heu) ausgerichteten Stoffwechsel – was in moderner Haltung häufig zu Problemen führt.

Grundlagen des Pferdestoffwechsels

1. Energiegewinnung

  • Kohlenhydrate (Zucker, Stärke, Rohfaser) werden in Glukose umgewandelt und zur Energiegewinnung (Muskelarbeit) genutzt.
  • Fette liefern viel Energie, werden aber nur bei höherer Belastung oder Energiedefiziten intensiver genutzt. Primär dienen sie jedoch dem Zellaufbau.
  • Proteine (Eiweiße) dienen primär dem Zellaufbau, nicht der Energiegewinnung – zu viel belastet Leber und Nieren.

2. Verdauungssystem

  • Pferde sind Nicht-Wiederkäuer mit großem Dickdarm, in dem Mikroorganismen faserreiches Futter (z. B. Heu) in kurzkettige Fettsäuren umwandeln.
  • Diese Fettsäuren (v. a. Essigsäure) sind ein Hauptenergielieferant – also: Rohfaser ist „Brennstoff“!

3. Leber- und Nierenfunktion

  • Die Leber ist das zentrale Organ für Entgiftung, Stoffwechselregulation, Hormonumwandlung und Nährstoffspeicherung.
  • Die Nieren filtern Abfallstoffe, vor allem aus dem Eiweißstoffwechsel.

Besonderheiten und Probleme des Pferdestoffwechsels

Pferde sind sehr stoffwechselanfällig, besonders bei falscher Fütterung und / oder Haltung:

Folgende Probleme und Krankheiten können auftreten:

EMS (Equines Metabolisches Syndrom)

...ist ein komplexer Stoffwechselzustand, der bei Pferden zu Übergewicht führt. Ohne rechtzeitiges Gegensteuern können sich die überschüssigen Pfunde über die Jahre anhäufen.

Insulinresistenz

Bei einer Insulinresistenz reagieren die körpereigenen Rezeptoren von Muskel- und Leberzellen nicht mehr ausreichend auf Insulin. Die Bauchspeicheldrüse produziert zwar Insulin, die Zellen nehmen Zucker jedoch nicht mehr wie gewohnt auf und speichern ihn. Dies führt zu einem dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel. Langfristig lässt die Empfindlichkeit der Rezeptoren für Insulin nach, da dieses ständig vorhanden ist.

Hufrehe

...ist eine Entzündung der Lederhaut, die das Hufbein mit der Hornwand verbindet. Die Lederhaut ist stark durchblutet, und bei einer Entzündung können Blutgerinnsel entstehen, die Kapillaren verstopfen und zu Infarkten im Huf führen. Flüssigkeitsaustritt und Ödeme können ebenfalls auftreten. Ausgelöst werden kann die Hufrehe beispielsweise durch Fruktane bei ganzjähriger Weidehaltung. Die Entzündung der Huflederhaut kann von leichter Fühligkeit bis zu lebensbedrohlichen Zuständen reichen.

Cushing (PPID)

...ist eine Stoffwechselerkrankung bei Pferden, die durch einen gutartigen Tumor an der Hypophyse verursacht wird. Dieser Tumor stört den Rückkopplungs-mechanismus zur Cortisol-Produktion, was zu Fehlregulierungen im Stoffwechsel führt. Symptome können eine verzögerte Winterfellabwurf oder Hufrehe sein, insbesondere bei älteren Pferden. Die gängige Diagnosemethode ist der ACTH-Test, der das AdenoCorticoTrope Hormon misst. Erhöhte ACTH-Werte können jedoch auch durch Stress wie Hufreheschübe, Thermostress, Haltungsbedingungen, Fütterung oder Schmerzen verursacht werden. In diesen Fällen handelt es sich nicht um echtes Cushing, sondern um „Pseudo-Cushing“. Echtes Cushing ist eine seltene Erkrankung, die hauptsächlich bei sehr alten Pferden auftritt.

Leberbelastung

Die Leber ist das zentrale Entgiftungsorgan des Körpers und an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt. Bewegungsmangel kann ihre Entgiftungsfunktion beeinträchtigen und zu Fetteinlagerungen führen, was Pferde anfälliger für Krankheiten macht. Leber und Nieren spielen eine Schlüsselrolle bei der Entgiftung, ihre Funktion sollte unterstützt, aber nicht überlastet werden. 

Was unterstützt einen gesunden Stoffwechsel?

Artgerechte Fütterung

Eine artgerechte Fütterung für Pferde berücksichtigt deren natürliche Lebensweise und Ernährungs-gewohnheiten. Veränderungen im Futterplan und eine unpassende Nährstoffversorgung können Stress auslösen, daher ist eine konstante und adäquate Ernährung wichtig. Die Anforderungen an die Fütterung variieren je nach Rasse, Alter, Gewicht, Haltung, Gesundheitszustand und Belastung.

Aus verhaltensbiologischer Sicht ist eine unbegrenzte Raufuttergabe (ad libitum) die natürlichste und einzig richtige Wahl, da sie dem natürlichen Verhalten am ehesten entspricht. Von außen aufgezwungene Fresspausen sind unnatürlich und gesundheitsschädlich. Ideal ist eine Raufutterversorgung, die dem Pferd ermöglicht, seinen natürlichen Fressrhythmus zu leben. Dies kann bedeuten, traditionelle Fütterungszeiten zu überdenken.

Regelmäßige Bewegung

Regelmäßige und angemessene Bewegung ist entscheidend für die Gewichtskontrolle und die allgemeine Gesundheit. Kontinuierliche, moderate Bewegung wirkt sich positiv auf alle Körpersysteme aus, trainiert das Herz-Kreislauf-System und fördert die Verdauung, was Koliken vorbeugen kann. Stehen ist keine Alternative, da es zu steifen Gelenken und Muskelabbau führen kann. Der Körper benötigt sanfte Bewegungsreize, um seine Funktionen aufrechtzuerhalten.

Mineralstoffgabe 

Für eine ausgewogene Grundversorgung bei Pferden sind anorganische Mineralstoffe empfehlenswert. Diese können vom Körper bei der Aufnahme effizient reguliert werden, überschüssige Mengen verbleiben im Nahrungsbrei und werden mit dem Kot ausgeschieden, ohne die Nieren zu belasten.

Stressarme Haltung 

Chronischer Stress kann zu dauerhaften Muskel-verspannungen führen, die die Bewegungsqualität beeinträchtigen und Verletzungsanfälligkeit erhöhen. Gestresste Tiere zeigen oft eine verkrampfte Haltung, besonders im Nacken- und Rückenbereich. Dies kann zu Haltungsschäden und Beeinträchtigungen der reiterlichen Nutzung führen. Ständige Anspannung belastet das Herz-Kreislauf-System, was zu frühzeitiger Alterung und gesundheitlichen Problemen führen kann. Auch Zahnprobleme, Kiefergelenksarthrose, Stoffwechsel- und Verdauungsprobleme sowie hormonelle Veränderungen können durch unpassende Haltung verursacht werden. Die Vermeidung von Stress und die Schaffung einer sicheren Umgebung sind entscheidend für das Wohlbefinden der Tiere.

Leber- und Nierenunterstützung

Leber und Nieren spielen eine zentrale Rolle bei der Entgiftung. Ihre Funktion sollte unterstützt, aber nicht überlastet werden.  Kräutermischungen, welche Leber und Nieren unterstützen, entlasten auch das Immunsystem. Wenn die Nieren mehr Urin produzieren, wird der Entgiftungshaushalt entlastet.

Ernährungsberatung für Pferde

...mehr als nur Rationsberechnung.

Jedes Pferd ist einzigartig, und die Anforderungen an die Fütterung variieren je nach Rasse, Alter, Gewicht, Haltungsbedingungen, Gesundheitszustand und Belastung. Eine regelmäßige Überprüfung der Futterration durch fachkundige Beratung hilft, Mängel oder Überschüsse zu vermeiden und die Versorgung optimal anzupassen. Dies kann sich durch geringere Futter- und Tierarztkosten sowie ein gesünderes Pferd auszahlen. Ein Ernährungsberater kann auch einen passenden Ernährungsplan für die verschiedenen Phasen der Trächtigkeit und Laktation erstellen. Es ist wichtig, Futtermittel sorgfältig auszuwählen und sich nicht von irreführenden Marketingversprechen täuschen zu lassen.

Was umfasst eine Pferde-Ernährungsberatung?

Individuelle Bedarfsanalyse:

  • Berücksichtigung von Alter, Rasse, Gewicht, Nutzung (z. B. Freizeit, Sport), Gesundheitszustand und Haltungsform.
  • Ermittlung des Energie- und Nährstoffbedarfs (z. B. Eiweiß, Mineralstoffe, Vitamine, Spurenelemente).

Futtermittelbewertung:

  • Analyse des aktuellen Futters (Heu, Kraftfutter, Ergänzungsfutter etc.).
  • Prüfung auf Qualität, Zusammensetzung und Eignung.

Futterumstellungen:

  • Unterstützung bei der Umstellung auf eine neue Fütterung, z. B. bei Gewichtsproblemen oder nach Krankheiten.
  • Tipps zur Fressmotivation oder für wählerische Pferde.

Einsatz von Therapeutika:

  • Unterstützung bei stoffwechselbedingten Krankheiten wie z.B. Insulinresistenz, EMS oder Kotwasser.
  • Unterstützung bei den Verdauungstrakt betreffendenKrankheiten wie z.B. Magengeschwüre oder Leaky-Gut

Heu- oder Blutanalysen (optional):

  • Für genauere Rationsplanung können Laboranalysen von Heu oder Blutwerten mit einbezogen werden.

Warum ist das wichtig?

Viele Pferde leiden heute an:

  • Übergewicht
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Mangelerscheinungen trotz Futtervielfalt
  • Verdauungsproblemen (z. B. Kotwasser, Koliken)


→ Eine gezielte Fütterung kann diesen Problemen oft effektiv vorbeugen oder sie lindern.

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