Christiane Scheib
Huforthopädie - Ernährungsberatung - Training
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Darmprobleme
Wie entstehen Darmprobleme?
Probleme mit der Verdauung gehören neben Erkrankungen des Bewegungsapparates zu den Hauptgründen dafür, dass Pferde ihre Leistungsfähigkeit verlieren. Um die Ursachen zu verstehen, muss man zunächst verstehen, wie die Verdauung des Pferdes überhaupt funktioniert.
Das Verdauungssystem bei Pferden
Das Pferd ist von der Evolution zu einem Steppen- und Tundrentier optimiert worden. Dazu gehört, dass Pferde auf ihrer Nahrungssuche weite Strecke in ruhigem Tempo zurücklegen - am Tag. Bis zu 50 km. Dabei nehmen sie Pflanzen auf, die nährstoffarm und schwer verdaulich sind. Um die Nährstoffe daraus aufschließen zu können, haben sich in ihrem Dickdarm Mikroorganismen angesiedelt, die mit ihnen in Symbiose leben. Dafür, dass die Mikroorganismen vom Pferd mit Wärme, Feuchtigkeit und Nahrung versorgt werden, liefern sie dem Pferd Nährstoffe aus sonst nicht aufschließbaren Strukturkohlehydraten und stellen wertvolle Vitamine und Aminosäuren zur Verfügung. Damit diese über Jahrtausende geschaffenen Gleichgewicht zwischen Pferd und Darmflora funktioniert, benötigen Pferde in erster Linie Raufutter, das arm an Zucker und Protein und sehr reich an Strukturkohlehydraten ist.
Dünndarm
Der Dünndarm des Pferdes ist im Verhältnis zur Größe des Pferdes klein und transportiert die Nahrung relativ schnell hindurch. Schon 1,5 Stunden nach Beginn der Dünndarmverdauung wird das Futter bereits in den Dickdarm abgegeben. Im Dünndarm wird leichtverdauliche Nahrung wie Stärke, Eiweiß und Fett verdaut.; Mineralien und Vitamine können größtenteils aufgenommen werden. Dass das Futter hier nur sehr kurz verweilt, ist ein Hinweis darauf, dass solch leicht verfügbare Nährstoffe im natürlichen Futterplan des Pferdes kaum vorgesehen sind. Zwar finden auch Wildpferde mal ein paar leichtverdauliche, nährstoffreiche Früchte, Nüsse oder Pflanzensamen. Aber den größten Anteil des Futters bilden die Pflanzen selber, deren Struktur im Dünndarm nicht aufgespalten werden kann.
Dickdarm
Der Dickdarm besteht aus Blinddarm und Grimmdarm, ist beim Pferd im Vergleich zum Dünndarm sehr lang und hat ein großes Volumen. Das Futter wird hier viel langsamer transportiert. In diesem Darmabschnitt findet die Verdauung der schwerverdaulichen Strukturkohlehydrate statt. Was beim Menschen als Ballaststoffe den Darm passiert und unverändert ausgeschieden wird, kann vom Pferd verwertet werden. Nur etwa 15% der Nahrung werden wieder ausgeschieden, ca. 85% sind für das Pferd Nährstoffe. Das macht Pferde zu hervorragenden Futterverwertern, die selbst aus magerstem Strukturfutter noch ihre lebensnotwendigen Nährstoffe gewinnen können.
Darmflora
Um die Strukturkohlenhydrate effizient aufzuschließen, haben Pferde eine ganze Reihe von Bakterien, Pilzen und Protozoen im Darm angesiedelt, die dabei helfen. Fohlen nehmen diese Mikroorganismen über den Kot der Mutter auf. Diese Pilze und Bakterien sind vor allem in der Lage, Cellulose aus Heu und Gras zu verdauen. Milchsäurebakterien, E. coli Bakterien und Streptokokken findet man im gesunden Pferdedarm nur in einer sehr geringen Menge oder gar nicht. Damit die Darmflora sich wohl fühlt, braucht sie einen annähernd neutralen pH-Wert von 6,8-7,2. Sinkt dieser, stirbt die Darmflora ab und die freiwerdenden Endotoxine aus den Mikroorganismen werden vom Pferd aufgenommen und belasten erheblich den Entgiftungsstoffwechsel. Die Darmflora siedelt in der Darmschleimhaut; beide gehen beim Pferd eine enge Verbindung ein.
Immunsystem
Man findet in der Darmschleimhaut sehr viele Zellen des Immunsystems, die schädliche Mikroorganismen abwehren und die Darmflora unterstützen.
Der Darm gerät leicht aus dem Gleichgewicht
Der Darm des Pferdes ist ein komplexes Ökosystem, das sehr empfindlich auf Störungen reagiert. Einschleppen fremder Keime, Veränderungen im ph-Wert oder Veränderungen in der Geschwindigkeit, mit der Nahrungsbrei durch den Darm geht, führen sehr schnell zu empfindlichen Darmstörungen.
Auswirkungen
Probleme im Verdauungssystem äußern sich wie folgt:
- Durchfall
- Koliken
- Magen- oder Darmgeschwüre
- Blähungen
- Unrittigkeiten wie:
- klemmig laufende Pferde
- lange Lösungsphasen zu Beginn des Reitens
- unspezifische Lahmheiten und Störungen im Bewegungsapparat
- schlechte Biegung
- Stoffwechselkrankheiten wie:
- Equines Metabolisches Syndrom (EMS)
- Insulinresistenz
- Pseudo-Cushing
- Hufrehe
- Sommerekzem
- Mauke
- Strahlfäule
- Verhaltensauffälligkeiten wie:
- Flehmen, Koppen
- Empfindlichkeit von Bauch, Hufen, Knien
- Widersetzlichkeiten gegen den Menschen
Was sind mögliche Ursachen?
- Fütterung von Heulage
Heulage schleppt übermäßig viele Milchsäurebakterien in den Dickdarm ein, die den Darm ansäuern. Dadurch kommt es zu Darmschleimhautentzündungen und massenhaftem Absterben der Darmflora. Durch die Entzündung löst sich der Zellverband der Schleimhaut und es entstehen Löcher und damit Eintrittsstellen für Krankheitskeime und Toxine aus dem Darm.
- Struktur im Müsli
Grüne Stengel, meist von Luzerne, werden Müslis zugesetzt, um die Fresszeit zu verläbgern. In der Realität werden diese Stängel häufig unzerkaut abgeschluckt. Diese langen Fasern verlängern die Darmpassagezeit, das Futter gärt bis zu einer Woche im Dickdarm mit entsprechender Gasentwicklung, Schleimhautentzündung und Verdrängung der Darmflora durch Fäulnisbakterien.
- Fresspausen über Stunden
Studien zeigen, dass sich schnell Magengeschwüre entwickeln, wenn Pferde länger als vier Stunden kein Raufutter zur Verfügung haben. Außerdem stirbt die Darmflora von 500 x 10-7 auf 5 x 10-7 innerhalb von Fastenzeiten ab.
- Überwiegende Strohfütterung
Gerade fette Ponies werden häufig auf reine Strohfütterung gesetzt und bekommen statt Heu nur Stroh als Raufutterersatz. Dieses enthält aber praktishc keine Cellulose, sondern die Holzfaser Lignin. Diese wirkt aber beim Pferd im Wesentlichen als Ballststoff und kann nicht zur Energiegewinnung herangezogen werden. Die Darmflora kann Lignin kaum verwerten und stirbt ab.
- Sand
Gerade im Herbst und Winter nehmen Pferde in Auslaufhaltung vermehrt Sand auf,, der sich in einer Ausbuchtung des Dickdarms unter der rechten Niere ablagern kann und schwere Sandkoliken verursachen kann
- Öl
Da Pferde keine Gallenblase besitzen, können sie nicht ausreichend Galle zur Verfügung stellen, um Öl in der Fütterung zu emulgieren. Öl wird nicht effektiv verdaut, sondern überziehrt den Nahrungsbrei, sodass die Verdauungsenzyme nicht mehr effektiv arbeiten und Nährstoffe aufschleißen können. Öl, das in den Dickdarm gelangt, ist toxisch für die Darmflora.
- Gefrorenes Gras
Sinken die Temperaturen, bilden Pflanzen aus Zucker Fruktane: Speicherkohlenhydrate, die nicht im Dünndarm aufgeschlossen werden können, sondern in den Dickdarm geraten. Dort können sie von der Darmflora nicht verwertet werden, wohl aber von den Milchsäurebakterien, die sich vermehren, den Darm ansäuern und zu Darmschleimhautentzündung und Absterben der Darmflora führen. Kolik oder Hufrehe können die Folge sein.
- Endophyten
Endophyten sind Pilze, die in Pflanzenn leben und deren Gehalt massiv ansteigt, wenn das Gras unter Stress steht, d.h. wenn es kalt und/oder trocken ist, das Gras ganz kurz gefressen ist oder zu viele Pferde auf der Koppel sind. Das führt zu Darm- und Hufreheproblemen, vor allem im Spätsommer und Herbst.
- Schimmeliges Futter
Schimmel ist weit verbreitet und findet sich herstellungsbedingt in praktisch jedem Heulageballen - nur dass man ihn aufgrund der Feuchte dort nicht sieht. Schimmeliges Heu gehört ebenso wenig in die Pferdefütterung wie schimmelige Einstreu. Schimmel bildet Mycotoxine, die für Pferde giftig sind und die Darmflora absterben lassen. Außerdem begünstigt Schimmel die Entstehung von Allergien.
- Brot
Brot besteht im Wesentlichen aus Weizenmehl und löst bei Pferden im Magen- und Darmschleimhautentzündungen aus. Gleiches gilt für Weizen und Roggen im Futter.
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