Christiane Scheib
Huforthopädie - Ernährungsberatung - Training
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Hufrehe

Wie entsteht Hufrehe?

Hufrehe gehört zu den Krankheiten, die in der Tiermedizin schon lange bekannt sind. In den letzten Jahren tritt sie aber immerhäufiger auch bei Pferden auf, bei denen man sie nicht erwarten sollte.

 

Was steckt hinter de Hufrehe?

Als Hufrehe bezeichnet man eine Entzündung der Lederhaut, welche das Hufbein mit der Hornwand verbindet. Der Pferdefuß ist über dieser Lederhaut schwebend im Huf aufgehängt.

Die Lederhaut ist von feinsten Kapillaren durchzogen und sehr stark durchblutet. Bei einer Entzündung entstehen Blutgerinnsel, die die Kapillarenverstopfen und zu kleinen Infarkten im Huf führen können. Es kann auch zum Austritt von Flüssigkeit aus den Blutgefäßen und Ödemen im Huf kommen, die Aufgrund der Druckverhältnisse in der Hornkapsel ebenso fatal für das Gewebe sind.

Bleibt das unbehandelt, kann es in Folge zur Trennung der Lederhaut von der Hornwand des Hufes kommen.

Dadurch wird das Hufbein nicht mehr in seiner natürlichen Position -parallel zur Hufwand- gehalten, sondern rotiert durch den Zug der tiefen Beugesehne mit der Spitze Richtung Boden.


Woran erkenne ich Hufrehe?

Sichtbar wird die Hufrehe als erstes dadurch, dass die Pferde fühlig laufen und versucehn, die Zehe zu entlasten. Das zeigt sich vor allem beim Abrollen. Die Schritte werden kürzer, die Pferde versuchen früher abzurollen. Sie vermeiden harten, unebenen Boden.

Der Hufbearbeiter kann beim Ausschneiden oft schon frühzeitig die ersten Anzeichen sehen. Unbehandelt werden die Symptome stärker, die Pferde entlasten vermehrt, liegen viel, und weigern sich anzutraben. Im Schritt kann man deutliche Schrittverkürzung sehen, der Schwung geht verloren. Die Symptome sind auf hartem Boden stärker. Im hoch akuten Stadium verweigern die Pferde jede Bewegung und verbringen überwiegend ihre Zeit im Liegen, um die schmerzenden Hufe maximal zu entlasten.

 

Frühe Diagnose ist wichtig

Werden die Pferde nicht oder zu spät behandeln, ist Hufrehe oft tödlich. manchma schon innerhalb weniger Wochen. Außerdem wird Hufrehe ohne oder bei nicht sachgerechter Behandlung häufig chronisch, sodass sie Pferde nie wieder normal laufen oder auf die Weide gehen können. Da es so viele Auslöser und Arten von Hufrehe gibt, und die Diagnostik von Stoffwechselstörungen beim Pferd eher mangelhaft ist, verläuft selbst behandelte Hufrehe oft noch fatal.

 

Hufrehe al Folge von Stoffwechselstörungen

Der häufigste Fall ist die Vergiftungs-Rehe. Diese hat aber nicht immer mit einer direkten Aufnahme von Giftpflanzen oder anderen Giftstoffen  zu tun, sondern ist der Überbegriff für Hufrehe-Fälle, die aus einer Überlastung des Stoffwechsels resultieren; hier wird von einer "inneren Vergiftung" gesprochen. Nach der chinesischen Medizin sind Haut und Hufe die Hilfsnieren des Körpers. Wenn die Nieren überlastet sind, sieht man daher die Symptome häufig an den Hufen: als Sohlenlederhautentzündungen, Einblutungen, Stoffwechselrillen oder eben als Hufrehe. Auch Strahlfäule, Hufgeschwüre oder Mauke weisen schon auf überlastete Nieren hin und den Versuch des Körpers, über die Haut oder die Hufe auszuscheiden.

 

Ursachen für (Stoffwechsel-)Rehe

  • Fruktane im Weidgras

Fruktane sind Speichekohlenhydrate, die Pflanzen bei Kälte und Stress bilden, daher vor allem gefährlich bei Weidegang im Frühjahr und Herbst. Dabei ist nicht das Fruktan selber giftig. Es gelangt aber in den Dickdarm und führt dort bei einer ohnehin schon gestörten Darmflora zu einer schlagartigen Vermehrung säurebildender Mikroorganismen. Durch die schnelle Ansäuerung des Darms sterben die natürlichen Darmsymbionten ab und geben ihre Inhaltsstoffe, sogenannte Endotoxine, frei. Diese werden vom Pferd aufgenommen und können dann die Hufrehe auslösen.

  • Giftpflanzen

Hier kommen vor allem Herbstzeitlose, Graukresse und Jakobshreuzkraut im Heu in Frage, aber auch Giftpflanzen auf abgefressenen Weiden oder an Ausläufen, wenn dem Dauerfresser Pferd kein Heu angeboten wird.

  • Zucker-/Stärke-Überschuss

Insulinresistenz ist bei Pferden weiter verbreitet als allgemeinhin angenommen, und zwar nicht nur bei fetten Pferden. Getreide oder andere zuckerhaltige Futtermittel können hier jederzeit einen Hufrehe-Schub auslösen.

  • Medikamentengabe

Vor allem Sedierungen, Narkosen und Cortison sind stark belastend für die Nieren und äußern sich am Huf oft als "Hufringe".

  • Dysbiosen im Dickdarm

Ausgelöst durch falsche Fütterung wie Struktur-Müslis, Heuhäksel, zu hohe Kraftfuttermengen, ganzen Mais, sparsame Heufütterung, Fütterung von Heulage etc.

  • Pektine im Futter

Frisches Gras, Obst und Gemüse wie Apfel oder Karotte sowie viele Komponenten von Mischfuttern wie Apfeltrester oder Rübenschnitzel "füttern" säurebildende Mikroorganismen im Dickdarm. Das Anweiden kann dann ausreichen, um eine Endotoxin-Hufrehe auszulösen.

  • Endophyten im Weidegras

Endophyten sind Pilze, die in Gras symbiontisch leben und sich vor allem dann vermehren, wenn das Gras unter Stress steht, z.B. kurz gefressen oder Trockenheit, Kälte, Vertritt u.ä. Belastungen ausgesetzt ist. Also auc hier besonderes Risiko im Frühjahr und Herbst, aber auch in trockenen Sommermonaten.

 

 

Hufrehe und Hufbearbeitung

Ist die akute Rehephase überstanden folgt die Reparatur des zerstörten Gewebes durch Narbengewebe. Um die gelöste Verbindung zwisch Horn und Hufbein wiederherzustellen, produzieren noch funktionsfähige Bereiche der betroffenen Lederhaut Narbenhorn. Diese Reparaturmaßnahme des Körpers wirkt sich bei fehlender oder unsachgemäßer Hufbearbeitung negativ auf die Wiederherstellung der Funktionalität der Hornkapsel aus; es kommt zur Ausbildung des typischen Rehehufes (Knollenhuf). Neben der verbreiterten weißen Linie und der Knollenbildung an der Zehe zeigen diese Hufe auseinandergehende Hornringe sowie einen mehr oder weniger starken Verlust der Sohlenwölbung.

Tritt eine akute Hufrehe auf, so ist in jedem Fall sofort der Tierarzt zu benachrichtigen. Je früher eingegriffen wird, desto größer sind die Chancen, weitreichende Zerstörungen des Hufbeinträgers zu verhindern.

In der akuten Phase ist es nützlich, den Hufbeinträger zu schonen, also Belastung durch Bewegung zu vermeiden. Dem Pferd sollte ein weicher, nachgiebiger Boden geboten werden, sodass der Huf einsinken kann, wodurch Strah und Sohle Last übernehmen und damit den Hufbeinträger entlasten können. Für zusätzliche Entlastung kan man sorgen, indem man die Hufsohle meit einem weichen Material aus- und aufpolstert. 

Die Bearbeitung eines Rehe-Hufes erfordert eine konsequente Bearbeitung des Hufhornes, damit es zu seiner physiologischen Form zurückfinden kann. Das Aufnageln eines Eisenbeschlages ermöglich zwar durch seine schmerzmittelähnliche Wirkung eventuell eine schnelle Gebrauchsfähigeit des Pferdes, es verwehrt aber jegliche Arbeit am Horn, die hier in kurzen Abständen notwendig ist.

 


 

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Der Weg zum gesunden Huf (Jochen Biernat, Konstanze Rasch)


 

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