Christiane Scheib
Huforthopädie - Ernährungsberatung - Training
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Kotwasser

Wie entsteht Kotwasser?

Störungen der Verdauung im Dickdarm des Pferdes führen zu Kotwasser. Kotwassser gehört zu den Zivilisationskrankheiten, die immer häufiger auftreten.

 

Was geschieht im Dickdarm?

Im Darmabschnitt des Dickdarms findet sowohl die Verdauung von Strukturkohlenhydraten durch die dort angesiedelten Mikroorganismen statt, als auch der Entzug von Wasser und Nährstoffen aus dem Nahrungsbrei. Der so eingedickte Kot wird durch die peristatlrtischen Bewegungen der Darmmuskulatur zu den bekannten "Pferdeäpfeln" geformt, die dann ausgeschieden werden. Bei Kotwasser wird zusammen mit dem geformten Kot auch ein Anteil braune Flüssigkeit ausgeschieden. Je nach Stärke der Störung im Darm kann es sich um ein paar Tropfen oder einen ganzen Schwall dieser Flüssigkeit handeln. Kotwasser kann entweder in bestimmten Situationen, z.B. bei Stress, auftreten oder permanent vorhanden sein. Kotwasser kann bei allen Pferderassen und Altersgruppen auftreten.

 

Was passiert im Darm, wenn Kotwasser auftritt?

Der Dickdarm des Pferdes ist auf einen genaueingestellten pH-Wert angewiesen. Dieser liegt beim gesunden Pferd im engen Rahmen zwischn 6,8 und 7,2 - also im neutralen Bereich.

 

Saurer pH-Wert bewirkt Darmschleimhautentzündung

Sinkt der pH-Wert in den sauren Bereich, stirbt der überwiegende Teil der Darmsymbionten ab. Auch die Darmschleimhaut ist nicht vor Säuren geschützt, benötigt also den neutralen ph-Wert, um intakt zu sein. Sinkt der ph-Wert, kommt es zu Entzündungen der Darmschleimhaut (Colitis). Diese Entzündungen sorgen langfristig dafür, dass sich die Zellverbände, die normalerweise eine dichte, abschließende Schicht bilden, lockern. Es entstehen "Löcher" - daher auch die Bezeichnung "Leaky Gut Syndrom", was soviel heißt wie "löchriger Darm".

 

Kotwasser verstärkt sich selbst

Bei Kotwasser wird die Flüssigkeit zunächst aus dem Kot entzogen und fließt später durch die "Löcher" in der Darmschleimhaut wieder in die "falsche" Richtung, also in den Darm, zurück. Da der Kot von Pferden mit Kotwasser meist sehr sauer ist, wird auch das Kotwasser angesäuert, was zu weiteren Entzündungen der Darmschleimhaut und weiteren Löchern führt. Kotwasser sorgt also dafür, dass noch mehr Kotwasser entsteht. Das trifft auch auf Pferde zu, die nur in bestimmten Situationen mit Kotwasser reagieren - auch hier ist der Darm aus dem Gleichgewicht und schon die geringsten Störungen von Darmmotorik und -durchblutung (Stress) reichen aus, um das sensible Verhältniss zu kippen und symptomatisch Kotwasser auszulösen.

 

Was säuert den Dickdarm an?

Vor allem saure Futtermittel wie Silage / Heulage und der Eintrag von Milchsäurebakterien in das Verdauungssystem (durch Silage, Heulage, Joghurt, alle Produkte mit "Lacto"- oder "Bifidus"- Kulturen usw.) wirken im Pferdedarm sauer. Milchsäurebakterien gehören nicht zur natürlichen Darmflora des Pferdes. Sie fühlen sich bei pH-Werten unter 6 wohl, der aber ist deutlich zu niedrig für den Pferdedarm.

 

Milchsäurebakterien säuern den Dickdarm an

Milchsäurebakterien zerlegen aus dem Raufutter überwiegend Proteine und Zucker, aber keine Strukturkohlenhydrate. Und sie bilden daraus keine Energie für das Pferd sondern Milchsäure-Moleküle. Diese Milchsäure säuert den Darm an, sodass sich die Milchsäurebakterien noch wohler fühlen und weiter vermehren, wöhrend die natürliche Darmflora abstirbt. Die Milchsäure wird vom Pferd aufgenommen und muss dann unter Verwendung von Sauerstoff in der Leber zunächst in Zucker umgewandelt werden, bevor sie überhaupt zur Energiegewinnung genutzt werden kann. Milchsäure ist also für Pferde ein Abfallstoff, kein Nährstoff und sollte daher auch nicht im Übermaß im Darm produziert und aufgenommen werden.

 

Cellulose ist besser als Stärke

Auch ein Übermaß an Kraftfutter führt beim Pferd zu einer Absenkung des ph-Wertes im Dickdarm, vor allem wenn es sich um schwer verdauliche Kraftfutter handelt. Stärke aus ungequetschter oder im Übermaß gefütterter Gerste und (nicht thermisch aufgeschlossenem) Mais gelangt bei Fütterung in den Dickdarm und steht dort als Nährstoff für Milchsäurebakterien bereit. Die Darmflora des Pferdes hingegen kann Stärke nicht verdauen; sie benötigt Cellulose, um richtig arbeiten zu können. Auch die übermäßige Fütterung von Pektinen - im Futter enthalten als Apfeltrester, Zuckerrübenschnitzel oder in Karotten - verschiebt die Darmflora des Pferdes hin zu Protozoen und anderen säureproduzierenden Mikroorganismen, die dort nur in geringen Mengen, aber nie im Übermaß vorkommen sollten.

 

Bei Stress Kotwasser

Insbesondere Stress ist bekannt dafür, dass er Kotwasser auslösen kann. Problematisch ist hier Dauerstress. Dieser kann "von außen" kommen, z.B. durch unpassende Gruppenzusammensetzung oder Boxennachbarn, aber auch "von innen", z. B. durch chronische Schmerzen oder Magengeschwüre.


 

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