Christiane Scheib
Huforthopädie - Ernährungsberatung - Training
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Kryptopurrolurie (KPU)

Die unbekannte Stoffwechselstörung

 

Was ist Kryptopurrolurie (KPU) beim Pferd?

Bei der KPU handelt es sich nicht um eine Krankheit, sondern um eine Störung des Entgiftungsstoffwechsels. Die Symptome können entsprechend vielfältig sein.

 

Symptome der KPU

Diese Stoffwechselstörung kann eine ganze Reihe von Gesundheitsproblemen zur Folge haben. Die sichtbaren Symptome reichen von Darmproblemen wie Kotwasser, Durchfall oder wiederkehrenden Koliken über Hautkrankheiten wie Mauke, Raspe, Nesselfieberschübe, Ekzeme bis zu Allergien, chronischen Atemwegswegserkrankungen, Hufrehe, Sehnen- und Fesselträgerschäden, Leistungsabfall und vielem mehr.

Da das Symptombild so uneinheitlich ist, wurde die darunter liegende Störung lange nicht richtig erkannt, sondern immer nur die sichtbare Krankheit behandelt. Entsprechend haben die betroffenen Pferde oft einen langen Leidensweg hinter sich und sind häufig "multimorbid", d.h. sie haben viele Erkrankungen gleichzeitig, zum Beispiel chronischen Husten, Sommerekzem und Kotwasser. Oder sie sind sogenannte "non-responder", also Pferde, die nicht oder nur schwach auf Medikamente und Therapien ansprechen. Außerdem neigen diese Pferde zu heftigen Reaktionen nach Medikamentengaben und entwickeln oftmals Unverträglichkeiten gegen Wurmkuren oder sogar Impfschäden. Bei vielen Pferden sind die Symptomeim Sommer bei Weidegang weniger ausgeprägt als im Winter und im Winter ausgeprägter bei Heulage-Fütterung als bei Heu.

 

Wie entsteht KPU?

Dazu müssen wir einen Blick auf die Abläufe in der Leber des Pferdes werfen. Hier findet die Entgiftung statt, d.h. alle im Körper anfallenden Abfallstoffe ebenso wie alle aufgenommenen Giftstoffe, zum Beispiel Schimmelgifte, Medikamente oder Giftpflanzen, müssen über die sogenannte Biotransformation unschädlich gemacht werden.

 

Entgiftung in der Leber: Phase 1

Diese Entgiftung läuft in zwei Phasen ab. In der Phase 1 werden die Stoffe zunächst umgebaut. Am Ende stehen dann Zwischenprodukte, die manchmal giftiger sind als die Ausgangsprodukte, daher ist es wichtig, dass sofort die Phase 2 anläuft.

 

Entgiftung in der Leber: Phase 2

In dieser Phase werden die Giftstoffe weiter entschärft und so verändert, dass sie später ausgeschieden werden können. Nach diesem Schritt wird der Abfallstoff von der Leber dem Blutstrom mitgegeben, damit er über die Nieren und den Urin den Körper verlassen kann. Damit die Phase 2 der Entgiftung ablaufen kann, ist ein Katalysator notwendig. Das ist beim Pferd Pyridoxal-5-Phosphat, kurz P5P genannt. Es handelt sich hierbei um eine aktivierte Form von Vitamin B6.

 

Wenn der Katalysator P5P fehlt

Fehlt P5P, bricht die Biotransformation nach der Phase 1 ab und der Körper trägt einen umgebauten, aber immer noch giftigen Stoff, den er nicht ausscheiden kann, mit. Das P5P wird beim gesunden Pferd in ausreichender Menge vom Dickdarm-Mikrobiom (Darmflora) zur VErfügung gestellt. Da Pferd und Darmflora in Symbiose leben und das Pferd von dort immer ausreichend versorgt wird, hat es im Lauf der Evolution die Fähigkeit verloren (oder noe entwickelt), Vitamin B6 selbst zu P5P zu aktivieren. Beim Pferd entstehr der Mangel an P5P in der Regel durch Schädigungen der Darmflora. Damit ist die KPU beim Pferd nicht vergleichbar mit der KPU / HPU beim Menschen.

 

 

Spurenelemente-Mangel durch defekte Entgiftungskaskade

Fehlt P5P, um die Phase 2 der Biotransformation normal ablaufen zu lassen, so beginnt die Leber, die Abfälle an bestimmte Spurenelemente zu koppeln, um wenigstens einen Teil davon ausscheidbar zu machen. Dazu gehören in erster Linie Zuínk und Selen sowie Schwefel. Aber auch Mangan und EWisen können verwendet werden. Da Pferde sehr empfindlich auf Zink-Mangel im Blut reagieren, aber tolerant sind gegen Selen- oder Manganmangel, sieht man diesen dann entsprechend häufiger im Blutbild.

 

Selenmangel - ein weit verbreitetes Phänomen

Sehr viele Pferde zeigen Selenmangel im Blutbild. Als Ursache werden gerne sekenarme Böden bemüht. Viel häufiger ist es jedoch nicht die mangelnde Versorgung, sondern der zu hohe Verbrauch durch die defekte Entgiftungskaskade. Die Zufütterung von Selenpräparaten hebt den Selenspiegel im Blutplasma zwar kurzzeitig an, aber schon bald nach Absetzen dieser Mittel ist der Selenmangel wieder nachweisbar. Es handelt sich also nicht um einen echten Mangel. Der Selenmangel verbirgt eigentlich einen Zinkmangel und dieser resultiert aus einem Mangel an P5P. Die Ursache für P5P-Mangel und damit fehlerhaft ablaufende Entgiftung liegt in einer Störung des Mikrobioms im Dickdarm begründet.

 

Symtopme des Zinkmangels

Durch den von der KPU verursachten, latenten oder im Blut bereits auffallenden Zinkmangel, sowie den erhöhten Verbrauch an Schwefel, entstehen häufig sekundäre Krankheiten und Symptome wie Ekzeme, Mauke, schlechtes Hornwachstum, schlechter Fellwechsel, dünnes Langhaar, schwaches immunsystem mit Allergien, Infektionsanfälligkeit oder chronischer Husten. Je mehr Mineralstoffein den Mangel geraten, desto mehr Krankheiten und Symptome manifestieren sich und desto weniger kann das Pferd auf Therapien oder Medikamente reagieren.

 

Wie kommt es dazu?

Ursache für die KPU ist also die mangelnde Versorgung mit P5P. Wie kann das passieren? Die meisten Müslis, Pellets und Mineralfutter sind reichlich mit Vitamin B6 versetzt. Dabei handelt es sich allerdings um die inaktive Form, die das Pferd selber nicht aktivieren kann. Auch Bierhefe ist kein guter Lieferant für P5P. Wichtig ist es daher, das natürliche Mikrobiom des Pferdes wieder in die Lage zu versetzen, normal zu arbeiten. Damit ist das Pferd automatisch mit allen aktiven B-Vitaminen, mit Vitamin K und vielen essentiellen Aminosäuren und Fettsäuren, welche ebenfalls von den Darmsymbionten hergestellt werden, versorgt. Außerdem sollte alles vermieden werden, was die Darmflora des Pferdes stört. Diese Störungen kommen vor allem aus der Fütterung. 

 


 

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