Christiane Scheib
Huforthopädie - Ernährungsberatung - Training
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Magengeschwüre

Ursachen verstehen, Symptome erkennen und Risikofaktoren reduzieren

Typisch Rennpferd?

Lange galten Magengeschwüre als "Rennpferdekrankheit". Es war bekannt, dass 80-100% der untersuchten Rennpferde unter Magengeschwüren litten. Man vermutete einen Gendefekt als Ursache der hohen Erkrankungsrate. Heute wissen wir es besser.

 

Vor einigen JAhren fanden Untersuchungen an klinisch gesunden Sportpferden statt und es wurde herausgefunden, dass etwa 80-90% von ihnen ebenfalls Magengeschwüre aufwiesen.

Mittlerweile wurden diese Untersuchungen auch an Freizeitpferden durchgeführt: von ihnen leidet im Schnitt jedes zweite - symptomatisch unauffällige! - Pferd unter Läsionen der Magenschleimhaut.

Diese Untersuchungen führten dazu, dass sich Forscher eingehender mit dem Magen des Pferdes und den möglichen Ursachen für Gastritis (Magenschleimhautentzündung) und Ulzera (Magengeschwüre) auseinandersetzten.

 

Wie arbeitet der Pferdemagen?

Pferde haben einen einhöhligen Magen; ihr Futter gelangt von der Speiseröhre hinein, wandert im Verlauf von üblicherweise etwa 30-120 Minuten hindurch und wird dann weiter in den Dünndarm transportiert.

 

Vorderer Magenbereich

Der Magen unterteilt sich in unterschiedliche Zonen, die das Futter nacheinander passiert. Im vorderen Bereich befindet sich eine Magenschleimhaut mit sehr dünner Schleim-Schutzschicht und weitgehend ohne eingelagerte Drüsen. Hier siedeln beim Pferd Milchsäurebakterien, die in dr Lage sind, die Stärke im Nahrungsbrei zu verdauen. Sie produzieren dabei Milchsäure, die den Nahrungsbrei auf einen pH-Wert von etwa 5-6 ansäuern kann.

Darüber hinaus entstehen bei diesem Prozess in geringem Maß sogenannte "flüchtige Fettsäuren". Dazu gehören insbesondere Propionsäure, Essigsäure und Buttersäure. Im weiteren Verlauf, dem Fundus des Magens, sind spezielle Drüsen in der Magenschleimhaut eingelagert, die dem Nahrungsbrei vor allem ein Verdauungsenzym namans Pepsinogen zusetzen. Dieses wird im Kontakt mit der im weiteren Verlauf zugesetzten Magensäure zu Pepsin aktiviert und beginnt in hinteren Magenanteil, Eiweiße "vorzuverdauen".

 

Hinterer Magenbereich

Im hinteren Magenbereich wird es richtig sauer. Hier geben Drüsen aus der Magenschleimhaut Salzsäure ab, die den Nahrungsbrei auf einen pH-Wert von ungefähr 3 weiter ansäuert. Die Magenschleimhaut hier ist durch eine dicke Schleim-Schutzschicht vor den Säuren geschützt.

Die pH-Werte werden im Verlauf des Magens durch Puffersubstanzen stabilisiert, die im Speichel enthalten sind. So wird der Magen - trotz aller produzierten Säuren - im Normalfall nicht zu sauer. Die pH-Werte um 3 im hinteren Magenbereich sind notwendig, um das Pepsin zu aktivieren und stellen außerdem eine "Keimbarriere" dar, damit nicht zu viele unerwünschte Mikroorganismen in den Darm eingetragen werden können.

 

Pferde sind Dauerfresser

Im natürlichen Zustand ist der Magen eines Pferdes nie leer. Das Pferd ist von der Natur als Dauerfresser von magerem Raufutter konzipiert, so dass ständig Futter aufgenommen wirdmund in den Magen gelangt. Bietet man Pferden Raufutter zur ständig freien Verfügung, stellt man fest, dass die vom Pferd selbst gewählten Fresspausen selten länger als zwei bis drei Stunden dauern. Selbst nachts fressen Pferde die meiste Zeit und schlafen nur in kurzen Sequenzen.

Durch das ständige Kauen produzieren Pferde permanent Speichel, der die Magensäure abpuffert. Kontinuierlich wird Futter durch den Magen transportiert - vom hohen pH-Wert am Mageneingang bis zum niedrigen pH-Wert am Magenausgang.

 

 

Was begünstigt Magengeschwüre?

Lange Fresspausen

Ganz anders stellt es sich dar, wenn ein Pferd in "Mahlzeiten" gefüttert wird. Dabei kommt es, vor allem nachts; aber auch tagsüber auf dem Auslauf, zu langen Raufutterpausen. Fresspausen von deutlich mehr als vier Stunden sind keine Seltenheit. Etwa zu dieser Zeit aber wird das letzte Futter aus dem MAgen in den Dünndarm weiter transportiert und der MAgen des Pferdes läuft weitgehend "leer".

Auf diesen Zustand ist er nicht eingestellt. Die Drüsen produzieren ständig weiter Salzsäure, die das Milieu weiter ansäuert - bis hinab zu pH-Werten um 1,3. Wenn ein Pferd nicht frisst, steht außerdem kein Speichel zur Verfügung, um die entstehende Magensäure abzupuffern. Und es rückt kein Nahrungsbrei nach, der die Säuren aufsaugt und damit bindet. Die Säuren können vielmehr frei im Magen "herumschwappen" und gelangen damit auch in den vorderen Magenbereich. Dieser Vorgang ist von der Natur nicht vorgesehen und entsprechend ist die Schleimhaut dort vor den aggressiven Säuren nicht ausreichend geschützt.

Die Magensäure verätzt die Schleimhaut und verursacht Entzündungsreaktionen (Gastritis) und langfristig Magengschwüre (Ulzera).

 

Zu wenig Heu

Etwa 80% der Magengeschwüre befinden sich im vorderen Magenbereich. Sie sind praktisch immer fütterungsbedingt und entstehen durch zu lange Raufutterpausen, insbesondere kombiniert mit zu geringer Raufuttermenge.

Je weniger Raufutter gefressen wird, desto weniger Speichel wird produziert. Pferde fressen deutlich hastiger, wenn sie in Mahlzeiten und nicht durchgehend gefüttert werden. Und sie kauen dann insgesamt zu wenig. Das macht nicht nur dem MAgen, sondern im weiteren Verlauf auch dem Dickdarm Probleme.

Heufütterung lässt sich nicht durch die Fütterung von Stroh ersetzen. Die Gräser im Heu enthalten zusätzliche Substanzen, um den Magen abzupuffern, die im Stroh fehlen. Das Pferd kaut zwar und kann sich den MAgen füllen, aber wenn es über NAcht so viel Stroh frisst, wie es Heu aufnehmen würde, um seinen Magen zu puffern, besteht das hohe Risiko einer Verstopfungskolik ("Strohkolik").

 

Stress

Zur Problematik durch unsachgmäße Fütterung kommt der Faktor Stress: Untersuchungen haben gezeigt, dass Stresseinen erheblichen Anteil an der Entstehung und vor allem der Erhaltung von Magengeschwüren hat. Stressbedingte Magengeschwüre findet man insbesondere im hinteren Magenbereich, obwohl der ja eigentlich gut vor den Säuren geschützt sein sollte. Der Grund hierfür ist, dass die Magenschleimhaut bei Stress deutlich schlechter als im Normalfall durchblutet ist. Bei kurzzeitigem Stress entstehen dadurch keine Probleme, wohl aber bei permanentem.

Oft verursachen die Haltungsbedingungen den Dauerstress vieler Pferde (und der ist ihnen leider nicht unbedingt anzusehen). Ist die Magenschleimhaut für längere Zeit schlecht durchblutet, produziert sie zu wenig schützende Schleimschicht. Die Säuren können dann diese ausgedünnte Schutzschicht infiltrieren und die Magenschleimhaut verätzen. ISt eine Stelle erstmal entzündet, wird dort noch weniger Schleim gebildet, sodass der Prozess - einmal begonnen - sich selbst verstärkt. Magengeschwüre sind sehr schmerzhaft. Schmerz erzeugt wieder Stress; damit entsteht ein Teufelskreis, aus dem ein Pferd ohne therapeutische Hilfe häufig nicht heraus gelangt.

Vor allem wenn beide Faktoren zusammen kommen - zu lange Raufutterpausen verbunden mit Dauerstress, womöglich kombiniert mit großzügigen Kraftfuttergaben - sind Magengeschwüre vorprogrammiert.

 

Woran erkennt man, dass das Pferd Magengeschwüre hat?

Häufig - vor allem im Frühstadium - leider gar nicht. Pferde verbergen die Probleme sehr lange. Folgende Symptome sollten einen daher hellhörig werden lassen:

  • therapieresistentes Kotwasser
  • Koppen, das Abschlecken der Boxenwände, Gitterstangen oder des Salzsteines während des Fressens oder anderes Stressverhalten beim Fressen
  • ständiges Wechseln beim Fressen zwischen Rau- und Kraftfutter
  • Verweigerung von wahlweise Kraft- oder Raufutter
  • sehr "mäkeliges" Verhalten bei der Futterauswahl, strikte Meidung von neuen bzw. unbekannten Futtern
  • Ablehnung oder Kotwasser bei einer neuen (deutlich gröberen oder feineren) Heucharge oder Stroh
  • Gurtzwang, Empfindlichkeit am Bauch 
  • "klemmiges Laufen" mit langer Zeitspanne beim Arbeiten bis zur Lockerung
  • die Fütterung von Bicarbonat (Basenpulver) oder Leinsamen verbessert die Symptomatik

 

 


 

Mehr zum Thema: wissen.sanoanimal.de


 

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