Christiane Scheib
Huforthopädie - Ernährungsberatung - Training
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Sommerekzem
Woher kommt eigentlich Sommerekzem?
Über Sommerekzem wird viel geschrieben und jeder betroffene Pferdebesitzer glaubt, die Antwort zu kennen: Man könne nichts machen, es sei nun mal eine Allergie gegen Insektenstiche. Neuerdings kann man sein Pferd sogar auf das "Sommerkzem-Gen" testen lassen.
Was steckt wirklich dahinter?
War anfangs das Sommerekzem als "Isländer-Krankheit" verschrien, trifft es heute Pferde aller Rassen und allen Alters. Besonders häufig betroffen sind Robust- und Barockpferde; neben den Isis auch Haflinger, Freiberger, Spanier oder Friesen, aber auch Araber und Warmblüter bleiben nicht verschont.
Stimmt die Theorie mit der Allergie gegen Insektenstiche?
Ja, Pferde reagieren allergisch oder überempfindlich auf Insektenstiche. Das lässt sich sehr einfach dadurch nachweisen, dass der Juckreiz aufhört, sobald die Pferde eine Ekzemerdecke tragen und die Insekten nicht mehr an die Haut kommen. Die große Frage aber ist: Warum entwickelt das eine Pferd eine Allergie und das andere nicht?
Stoffwechsel und Ekzem
Schauen wir uns den Stoffwechsel des Pferde etwas genauer an: die Entsorgung von Abfallstoffen läuft beim Pferd -wie bei jedem anderen Säugetier- über verschiedene Ausscheidungsorgane:
Darm und Lunge
Der Darm scheidet im Wesntlichen unverdaulichen Abfall aus, aber auch Abfälle, die von der Leber über die GAlle entsorgt werden. Über die Atmung werden garförmige Abfälle ausgeschieden, wie CO2.
Niere
Die Niere ist dafür zuständig, alle wasserlöslichen Stoffe auszuscheiden, die vom Entgiftungsorgan Leber dem Blutstrom mitgegeben werden. Die Niere hat aber nur eine begrenzte Entsorgungskapazität und nebenbei eine ganze Reihe weiterer, wichtiger Aufgaben. Sie sorgt dafür, das Säure-Base-Gleichgewicht, den Mineral- und Wasserhaushalt und auch den Blutdruck konstant zu halten.
Haut als Hilfsniere im Notfall
Ist die Niere überlastet, so ist der Körper in der Lage, notfallmäßig Abfallstoffe über die Haut zu entsorgen. In Untersuchungen wurde gezeigt, dass die Schweißdrüsen vergleichbar funktionieren wie die Nierenkanälchen und mit demselben Mechanismus Abfälle mit dem Schweiß nach außen transportiert werden. Auch die Talgdrüsen können für die Entsorgung fettlöslicher Abfälle genutzt werden.
Reaktion der Haut
Diese zum Teil sehr aggressiven Abfallstoffe landen auf der Hautoberfläche, die darauf nicht ausgerichtet ist. Es kommt zu leichten Hautirritationen. Diese führen zu Entzündungsreaktionen des Immunsystems, das sich folglich in der Haut konzentriert, um durch die entzündete Haut eindringende Bakterien, Pilze und andere Schädlinge abzuwehren. Kommt der Speichel von blutsaugenden Insekten dazu, kommt es zu einer Überreaktion des Immunsystems und damit zum allergischen Verhalten. Durch das Kratzen entstehen kleine Verletzungen in der Haut, durch die weitere Keime eindringen und das Immunsystem stressen können. Außerdem wird die Haut natürlich auch weiterhin durch die Abfälle gereizt, die über die HAut ausgeschieden werden.
Notfall als Dauerzustand
Bei einigen Pferden ist der Stoffwechsel so überlastet, dass die Haut zum Hauptausscheidungsorgan wird. Diese Pferde kratzen sich am ganzen Körper und kommen auch im Winter nicht zur Ruhe. Dazu kommt in vielen Fällen ein chronisch entzündeter Darm, dessen Schelimhautzellen große Mengen Histamin ausschütten, die die Allergieanfälligkeit steigern. Häufig ist bei den betroffenen Pferden das Säure-Base-Gleichgewicht im Bindegewebe gestört, die Leber überlastet durch die vielen zirkulierenden Abfallstoffe, die nicht ausgeschieden werden können und der Körper nur noch mühsam in der Lage, die Stoffwechselprozesse aufrecht zu halten. An Leistungsbereitschaft ist nicht mehr zu denken. Was mit einem harmlosen Schweifscheuern beginnt, kann dramatisch enden.
Diagnose schwierig
Das Problem der dem Sommerekzem zugrunde liegenden Ursachen ist, dass diese im Blutbild nicht zu sehen sind. Werte, die eine Niereninsuffizienz anzeigen, also eine zu schwache Leistung der Niere, werden erst auffällig, wenn 70% der Niere bereits zerstört sind - also viel zu spät. Auch die Übersäuerung des Gewebes ist nicht zu sehen, da der Blut-pH-Wert sehr streng konstant gehalten wird.
Erhöhte Allergiewerte sichtbar
Einzig die Werte, die einen allergischen Vorgang anzeigen, sind auffällig, da in der Haut die allergische Reaktion des überlasteten immunsystems sichtbar wird. Die Allergie ist aber keine Ursache, sondern nur ein Symptom, eine Auswirkung des entgleisten Stoffwechsels. Viele Sommerekzemer entwickeln entsprechend zusätzliche Symptome oder Krankheiten wie chronischen Husten, Kotwasser, Koliken, schlechtes Hufwachstum, schlechten Fellwechsel bis hin zu Metabolischem Syndrom oder Cushing; sie sind oft müde und schlapp. Trotz Ekzemerdecke, Salben und Cremes und sogar Aufenthalten an der See oder auf der Alm im Sommer hilft nichts nachhaltig, sondern lindert nur vorübergehend die Symptome. Pferdebesitzer sind oft genau so verzweifelt wie ihre Pferde.
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