Christiane Scheib
Huforthopädie - Ernährungsberatung - Training
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Stoffwechselprobleme
Was der Stoffwechsel leistet
„Stoffwechsel“ bedeutet nichts anderes, als dass Stoffe aus der Nahrung zerlegt, aufgenommen und im Körper umgebaut und weiterverarbeitet und Abfallstoffe ausgeschieden werden. Damit diese Vorgänge ablaufen können, sind zusätzlich Sauerstoff und Wasser notwendig. Der Körper ist eine Chemiefabrik, die Tag und Nacht daran arbeitet, sich selbst zu erhalten, zu wachsen, sich zu bewegen und fortzupflanzen. Um diese Leistung zu schaffen, laufen Billionen von chemischen Reaktionen in allen Zellen und Geweben zu jeder Zeit ab. Es gibt aufbauende und abbauende Prozesse und viele Reaktionen, die diese Prozesse steuern. Für den reibungslosen Ablauf des Stoffwechsels ist die Versorgung mit allen essenziellen Nährstoffen notwendig. Aber auch die Verarbeitung, der Abbau und die Entsorgung von Abfallstoffen muss gewährleistet sein.
Die Aufgaben der einzelnen Organe
Darm
Ein Teil der Abfälle aus der Nahrung verbleibt direkt im Darm und wird ausgeschieden. Das ist aber der geringste Teil. Der größte Teil der Nahrungsbestandteile, etwa 85%, wird aufgenommen und vom Darm über das Pfortadersystem zur Leber transportiert. Dabei kommt den Zellen der Darmschleimhaut eine Rolle als Sortierer zu, denn alle Stoffe, die aufgenommen werden, müssen zunächst durch diese Zellen hindurch. Unverträgliche Stoffe werden hier gleich abgewiesen. Gleichzeitig sitzen in der Darmschleimhaut Zellen des Immunsystems, die ebenfalls daran beteiligt sind, unverträgliche Stoffe und Krankheitserreger davon abzuhalten, in den Körper einzudringen. Ist die Darmschleimhaut defekt, durch Entzündungen oder das Leaky Gut Syndrom geschädigt, dann können solche Stoffe die Darmwand passieren und belasten damit den Stoffwechsel des Pferdes.
Leber
Die Leber ist die zweite große Sortierstation und wichtigste Chemiefabrik des Körpers. Sie ist dafür zuständig, alle aufgenommenen Nährstoffe zu sortieren, umzubauen, zu speichern oder in neuer Form über das Blutsystem dem Körper zur Verfügung zu stellen. Sie reguliert nicht nur den Blutzuckerspiegel durch Herausfiltern des Zuckers und Umbau in Glykogen oder Fett, sondern auch die Proteinversorgung, den Fettstoffwechsel, ist Speicher für viele Vitamine und Spurenelemente und nicht zuletzt der große Abfallverwerter des Körpers. Abfallstoffe, die aus dem Protein- oder Fettstoffwechsel übrig bleiben, ebenso wie aufgenommene Toxine, Medikamente und Abfälle aus dem eigenen Stoffwechsel, werden hier in komplexen Entgiftungsreaktionen unschädlich gemacht und so umgebaut, dass sie ausgeschieden werden können.
Galle
Ein kleiner Teil der Abfälle wird über die Galle in den Darm abgegeben und über den Kot entsorgt.
Nieren
Der größere Teil wird über den Blutstrom zur Niere transportiert und über den Urin ausgeschieden. In den Nieren wird die Flüssigkeit aus dem Blut zunächst in das Kanalsystem der Niere hinüber gepresst. Dieser Primärharn enthält auch alle wichtigen, in Wasser gelösten Nährstoffe., Mineralien, Spurenelemente, Hormone usw. Die Aufgabe der Nieren ist es, die Nährstoffe zurück zu filtern und die Abfallstoffe wie Harnstoff und alle anderen Abfälle, die von der Leber kommen, im Harn zu belassen, damit sie ausgeschieden werden können. Das ist schwere Arbeit und jede zusätzliche Belastung, zum Beispiel durch hohen Blutzuckerspiegel, Medikamentengabe oder Auskühlen der Nieren, erschwert diesen Prozess. Am Ende wird der Urin von den Nieren zur Blase abgegeben und dort bis zu Ausscheidung gesammelt. Er enthält nur noch die Abfallstoffe und keine wichtigen Nährstoffe mehr.
Was passiert, wenn der Stoffwechsel des Pferdes überlastet ist?
Vielfältiges Krankheitsbild
Stoffwechselkrankheiten, die aufgrund mangelnder Leber und/oder Nierenfunktion entstehen können, sind vielfältig und reichen von Krankheiten des Bewegungsapparates bis zu Cushing, EMS, Hufrehe, Insulinresistenz, KPU und vielen anderen. Auch Hautkrankheiten wie Mauke oder Sommerekzem, Allergien und ein schlechtes Immunsystem (Infektanfälligkeit, schlechte Wundheilung, Wurminfekte) können auftreten.
Fütterung als Ursache
Ist die Überlastung Fütterungsbedingt, sieht man häufig auch Symptome in der Verdauung, wie Kotwasser, Durchfälle, Blähungen, Kolikneigung und klemmige Bewegung unter dem Reiter.
Wann sollte man handeln?
Wenn die Leber- und Nierenwerte im Blutbild auffällig werden, ist es bereits „5 vor 12“. Daher sollte man auf Frühmarker für Stoffwechselprobleme achten. Wenn man die unten aufgeführten Symptome bei seinem Pferd beobachtet, ist es Zeit für eine Entgiftungs- oder Entschlackungskur. Sind bereits Stoffwechselkrankheiten bekannt, benötigt man die Hilfe eines kompetenten Theraoeuten. Durch die chronisch geschädigten Organe werden von manchen Pferden die normalen Entgiftungskuren nicht vertragen.
Wie erkenne ich Stoffwechselprobleme bei meinem Pferd?
Leber- und Nierenprobleme lassen sich recht gut an typischen Symptomen erkenne. Wenn man mehrere dieser Frühmarker an seinem Pferd beobachtet, liegt sehr wahrscheinlich ein Stoffwechslproblem vor.
Frühmarker für Leberprobleme
- Stichelhaare
- Pigmentstörungen (dunkle Flecken, die vorallem bei Füchsen im Bereich Flanke / Kruppe auftreten, „braune“ Rappen)
- Fellstreifen am Rupf (die etwa 2cm Abstand haben, vom Rücken senkrecht zum Bauch verlaufend)
- Hungerhaare (einzelne lange Haare im normalen Fell, häufig im Winterfell und oft am Bauch und an der Rückseite der Karpalgelenke)
- Augen (blauer Schimmer, Entzündungen, tränen)
- Gallen an Fesseln und Sprunggelenken
- Sehnen- und Fesselträger (Rupturen, Zerrungen, die nicht unfallbedingt sind)
- Gewicht (Gewichtsverlust, schlechte Zunahme, mangelnder Appetit, Fressunlust)
- Leistungsabfall (schlechte Kondition trotz ausreichenden Trainings)
- Lethargie (häufiges Gähnen, Flehmen, Leistungsmangel)
- aufgezogener, empfindlicher Bauch
- häufige leichte Koliken, saurer Kotgeruch
Frühmarker für Nierenprobleme
- Fell (stumpf, Haare mit „Häkchen“ an der Spitze)
- Fellwechsel (schlecht / langsam verlaufend, dünnes Winterfell)
- Hautprobleme
- Überempfindlichkeit der Haut
- Ekzeme, Sommerekzem, Mauke, Raspe
- Neigung zu Phlegmone
- Nesselfieber, Überempfindlichkeit gegen Insektenstiche, Waschmittel, Allergien, schlechte Wundheilung etc.
- genereller Juckreiz
- Neigung zu Warzen, Sarkoiden, Hautpilzen oder Haarlingen
- Hufprobleme (Hufrehe, Hufabzesse, Strahlfäule)
- Ödeme (z.B. angelaufene Beine nach Boxenruhe, schwammige Sprung- oder Karpalgelenke, angelaufener, fester Halskamm, Ödem-Polster an den Flanken, geschwollene Schlauchtasche)
- Schwitzen (untypisches, zu strakes / zu schwaches Schwitzverhalten, Hyperventilation durch mangelndes Schwitzen)
- Saufen (zu viel / zu wenig Saufen, zu viel / zu wenig Urin)
- gieriges Verschlingen von Salz- oder Minerallecksteinen
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